Super-Wahlsonntag in Rösrath
· Anzeige

Politik

Super-Wahlsonntag in Rösrath

Der Super-Wahlsonntag am 25. Mai wird, so erhofft man sich, für Hochbetrieb in den Wahllokalen von Rösrath sorgen. Hier wie überall in Nordrhein-Westfalen entscheiden die Bürger nicht nur über die Zusammensetzung des europäischen Parlamentes, sondern auch über den Stadtrat, den Kreistag und vor allem über einen neuen Bürgermeister.

Die Landesregierung wollte, dass Rathauschefs und Stadträte wieder an einem Tag gewählt werden. Das sollte nicht nur einen positiven Effekt auf die Wahlbeteiligung haben, sondern auch auf die klammen kommunalen Kassen, die sich nun den finanziellen und organisatorischen Aufwand wegen zusätzlicher Urnengänge sparen können.

Um das möglich zu machen, mussten die Bürgermeister auf ein Amtsjahr verzichten. Hier sammelte Marcus Mombauer (CDU) gleich mal Pluspunkte in der Öffentlichkeit, indem er frühzeitig ankündigte, am Tag der Kommunalwahl anzutreten und nicht erst zum Ende seiner Amtszeit im September. Er stellt sich also zur Wiederwahl. Sein Herausforderer ist Dirk Mau (SPD – Interview mit Dirk MauMenschen in Rösrath), der von der SPD-Mitgliederversammlung mit einer satten Mehrheit und damit einem reichlichen Vertrauensvorschuss ausgestattet wurde. Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten haben nur wenig Konkurrenz. Anders als die Linken, die Frank D. Albert von der Ohe ins Rennen schicken, haben die Grünen, die FDP und die Bürger für Rösrath darauf verzichtet, eigene Kandidaten aufzustellen. Wahlempfehlungen wollen aber weder die Grünen noch die Liberalen an ihre Wähler geben. Und anders als noch im Jahr 2008 reicht eine einfache Mehrheit bei der Wahl nicht aus. Die Wahlordnung wurde inzwischen geändert: Wenn keiner der Kandidaten in Rösrath auf über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen kommt, muss zwei Wochen später eine Stichwahl entscheiden. Aber egal, wie es ausgeht, Rösrath wird bis 2020 von einem noch jungen Bürgermeister regiert. Amtsinhaber Mombauer ist 47, Herausforderer Mau 41, Albert von der Ohe 44, hat aber klar keine Chancen auf den Job, der mit schwierigen, vielleicht sogar kaum lösbaren Aufgaben verbunden ist.

Die Sülzstadt schlägt sich wie viele andere Kommunen im Land mit einem Etatdefizit (5,9 Millionen Euro in 2014) und immensen Schulden herum. Deshalb hatte sich der Stadtrat zur Erhöhung der Grundsteuer B und Gewerbesteuer entschlossen, eine Maßnahme, die sowohl Mombauer als auch Mau verteidigen. Eine Erhöhung mache niemand gern, sagte der SPD-Spitzenkandidat jüngst, aber es gehe um Perspektiven für die Stadt, in der er seit 1977 lebt. Mau ist SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, hat Politikwissenschaft studiert und arbeitet als leitender Angestellter in einem Industriebetrieb. 1989 trat er in die SPD ein und engagierte sich 14 Jahre ehrenamtlich in der evangelischen Kirchengemeinde. Als Kommunalpolitiker ist er durch Sachkenntnis und einen sachlichen Stil aufgefallen. Er setzt auf Inhalte: »Ich bin überzeugt, dass es zur Aufgabe eines Bürgermeisters gehört, sich Themen zu eigen zu machen und sie aktiv voranzutreiben.« Vor allem in Fragen der Stadtentwicklung will er sich einbringen. Anders als bei vielen Projekten zuvor solle die Stadt nicht einfach auf Investoren warten und deren Ideen abnicken, sondern B-Pläne aufstellen und in den Ortszentren für klare Konzepte sorgen. Dabei sollten gerade auch die Bürger stärker beteiligt werden. Die Unterstützung des Einzelhandels, Verbesserung des Wohnumfeldes und ein quantitativ wie qualitativ erstklassiges Betreuungsangebot für Kinder von 1 bis 8 Jahren haben sich die Sozialdemokraten mit ihrem Kandidaten vorgenommen. Ganz oben auf der Agenda stehen für Mau auch die Schulen. Es müsse ein adäquates Angebot für alle Schüler aufrechterhalten werden. Auch die Sanierung der Gebäude will er vorantreiben.

Mombauer hatte bereits bei der CDU-Aufstellungsversammlung, die ihn ebenfalls mit klarer Mehrheit erneut zum Kandidaten für das Bürgermeisteramt kürte, ein wichtiges Ziel für sich formuliert: neue Gewerbeflächen, um Arbeitsplätze, Ausbildungsstellen und Gewerbesteuer zu sichern. Auch bei ihm stehen die Schulen und Kindertagesstätten im Fokus. Sauberkeit und Ordnung ist ein weiteres Betätigungsfeld, das Mombauer als wichtig erachtet. Er sieht die rückläufige Jugendkriminalität und mehr Sauberkeit im Straßenbild als Erfolge seines Bemühens an. Unter seiner Ägide soll es zudem keine großflächigen neuen Baugebiete mehr geben. Während seiner bisherigen Amtszeit hat sich der Diplom-Verwaltungswirt als Bürgermeister zum Anfassen gegeben.

Mit welchem Stadtrat der neue Bürgermeister arbeiten muss, das entscheiden die Wähler am 25. Mai. Bisher gab es eine Kooperation der Union mit Grünen und FDP. (Sigrun Stroncik)