Junge Stadt mit alter Geschichte
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Rösrath ist zwar nicht so alt wie Jericho, das als eine der ältesten Städte der Geschichte gilt, aber mehr als 1100 Jahre hat sie doch auf dem Buckel. Und trotzdem gehört sie in der gesamten Region Köln zu den jüngsten ihrer Art. Denn erst im Januar 2001 erhielt Rösrath die Stadtrechte, weil zu diesem Zeitpunkt – so nüchtern ist Stadtwerdung heutzutage – die nötige Einwohnerzahl von 25000 überschritten wurde. Fast parallel dazu bekam man den lang geplanten und ersehnten Autobahnanschluss, der die Sülzkommunenoch direkter und schneller mit der Welt und ihren Wirtschaftskreisläufen verbindet.
Der Bau von Straßen und Schienenwegen wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts ein großer Beschleunigungsfaktor für den Ort, befeuerte seine wirtschaftliche Entwicklung und brachte der damals bitterarmen Bevölkerung einen gewissen Wohlstand. Zum wichtigsten Motor wurde zunächst die Eisenbahn, die 1890 von Bensberg aus ins Sülztal führte und im Wesentlichen durch die Firma Reusch und die Bergwerksgesellschaft Vieille Montagne finanziert wurde, denn auf dem Lüderich wurden noch bis 1978 Erze abgebaut. Die Strecke Köln - Bergisch Gladbach - Rösrath - Hoffnungsthal - Immekeppel erschloss neue Absatzmärkte für die Stahlprodukte von Reusch. Die Unternehmerfamilie hatte 1816 vom Kaufmann Rudolf Philipp Boullé ein Eisenhammerwerk in Hoffnungsthal übernommen und zu einem weiterverarbeitenden Stahlbetrieb ausgebaut, der ihr Ansehen und Reichtum einbrachte. Nach dem zweiten Weltkrieg entfaltete Reusch als Heizungsbau- Unternehmen noch einmal enorme Wirtschaftskraft. Bis zu 400 Menschen hatten Arbeit im früheren Hammerwerk.
1999 ging die Firma Konkurs. Heute sind im alten denkmalgeschützten Ensemble »Am Hammer« mit der ehemaligen Fabrikantenvilla und den restaurierten und umgebauten Produktionsgebäuden neue Nutzungen entstanden für Wohnen und dienstleistendes Gewerbe – Ausdruck eines erfolgreichen Strukturwandels in der Stadt. »Hoffnungsthal war der mondäne Ort, der am frühesten entwickelt war, mit Fabrikantenvillen, Fremdenverkehr und dem Amtssitz des Bürgermeisters«, erklärt Robert Wagner, Vorsitzender des Geschichtsvereins Rösrath. Und Hoffnungsthal ist auch der älteste Ort der Stadt, erstmals unter den Namen Vogelberhc (Volberg) im Prümer Urbar von 893, einem Güterverzeichnis des Benediktinerklosters Prüm Eifel, erwähnt. Als durch das Hammerwerk die industrielle Entwicklung für die Einwohner tatsächlich hoffnungsvoll wurde und sich der Lebensstandard verbesserte, wurde Volberg in Hoffnungsthal umbenannt.
Der älteste Siedlungsplatz von Rösrath wiederum liegt im Stadtteil Forsbach. Bei Ausgrabungen in der Gemarkung »Im Brendgen« (heute:Im Brändchen) wurden 1937 neben zahlreichen mesolithischen Steinwerkzeugen auch Pfostenlöcher gefunden, die auf eine mittelsteinzeitliche Besiedlung schließen lassen. Viel später war Forsbach ein Rittersitz, nach dem sich Adelige benannten. Den ersten rasanten Anstieg der Einwohnerzahl erlebte Forsbach aber erst im 2. Weltkrieg während der Bombardierung Kölns. Zahlreiche Kölner Familien flüchteten an den grünen Ort am Königsforst, und manche, die ihre Wohnung in der Dommetropole verloren hatten, blieben gleich ganz, ebenso wie Flüchtlinge von der Oder-Neiße. Heute ist Forsbach ein beliebtes Wohngebiet, dessen Vorzüge auch Verleger Alfred Neven DuMont zu schätzen weiß.
Die Gemeinde und spätere Stadt erhielt ihren Namen von dem einstmals kleinsten und heute bevölkerungsreichsten Ortsteil Rösrath, der erstmals im Jahr 1356 urkundlich erwähnt wurde und zu dieser Zeit nur aus ein paar Höfen bestand. Lange fristete er ein Schattendasein, was auch mit seiner Religionshistorie zu tun hatte, wie der Geschichtsverein Rösrath dokumentierte. Denn auch wenn man es angesichts der schönen barocken Pfarrkirche Sankt Nikolaus von Tolentino kaum glauben mag, erst 1853 bekam Rösrath eine eigene Pfarrei. Die Vorarbeit dafür leisteten die adligen Familien der nahen Rittersitze Eulenbroich und Venauen, die sich im Gegensatz zur Gemeinde Volberg im 16. Jahrhundert eben nicht zum lutherischen Glauben bekannten, sondern sich gemeinsam mit den katholischen Rösrathern um eine ortsnahe seelsorgerische Betreuung bemühten – sozusagen als Gegenreformatoren. Augustiner-Eremiten wurden angeworben. Sie bauten 1677 ein Kloster, 1708 wurde die Pfarrkirche fertiggestellt und 1710 der Grundstein für eine Schule gelegt. Dadurch bekam Rösrath so etwas wie eine Infrastruktur und wurde geschichtlich bedeutsamer. Aber erst als die Errungenschaften der industriellen Revolution durch die Anbindung an die Eisenbahn 1890 auch die Menschen im Sülztal erreichten, begann der eigentliche wirtschaftliche Aufschwung.
Gegenüber vom Bahnhof Rösrath entwickelte sich ein Industriestandort. Hier, nahe der Sülz, produzierten die Rösrather Thonwerke Benfey & Cie zunächst Dachziegel, bis 1907 Emil Biedermann, ein Vorfahr der Familie Biedermann-Ridder das Werksgelände kaufte und die Lederfabrik Stark & Biedermann gründete. Sie stellte Lederartikel für den industriellen Bedarf her und hatte noch bis 1962, dem Jahr ihrer Werksschließung, rund 80 Industriearbeitsplätze.
Neben den Firmenansiedlungen war es immer wieder der Ausbau neuer Verkehrswege, der den Ort voranbrachte, besonders der Bau der Autobahn Köln-Frankfurt in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Richtige Dynamik entfaltete Rösrath schließlich durch den Bau des Schulzentrums mit seinen drei weiterführenden Schulen und der Dreifachturnhalle in den 70er- Jahren sowie die Erschließung des Gewerbegebiets Scharrenbroich und des Wohnparks Pannhof in den 90ern. Sigrun Stroncik
Fotos: Geschichtsverein Rösrath






