Die Chornissen

Wir sind Rösrath

Die Chornissen

»So so so so so so sooooh! So ho ho ho ho ho hooooh!« Andrea spannt das Zwerchfell an, nimmt Haltung ein, wird größer und ihre Stimme freier und selbstbewusster. »Knie beugen, Arme runterziehen und sich jetzt vorstellen, das Kölner Dreigestirn kommt vorbei und du staunst«, ermuntert Chorleiter Sven Scheuren seinen Schützling. Andrea schwingt sich auf zu neuen Höhen bis hinauf in den Sopran, mit dem Mund formt sie ein O: »Und immer wieder sind es dieselben Lieder, die sich anfühlen, als würde die Zeit stillstehen.« »Altes Fieber« von den Toten Hosen – mal nicht gesungen von Campino, sondern von Frauenstimmen.

Gibt es in Rösrath einen Chor, in dem ich Popmusik singen kann?
»Alles begann mit dieser Frage, die eine Rösratherin im Juli 2016 in einer lokalen Facebook-Gruppe stellte«, erzählt Gründungsmitglied Daniela. Die Antwort hieß damals schlicht: nein! Gibt es nicht! Daraufhin tat sich eine Gruppe Frauen zusammen und lud zu einem offenen Singen ein, aus dieser Kerntruppe wurden schließlich Die Chornissen. Sie sind zwischen 29 und 65, haben Spaß am gemeinsamen Singen und am Aufbau von etwas Neuem, »ohne auf eingefahrene Strukturen und Rollen Rücksicht nehmen zu müssen«, erklärt Daniela. Einige von den derzeit 19 Mitgliedern hatten schon Erfahrung mit Kirchenchören und wollten mal etwas anderes ausprobieren, andere waren seit der Schulzeit einfach verstummt. »Ich habe höchstens noch im Auto gesungen oder wenn ich die Mahlzeiten für die Kinder vorbereitet habe, da hieß es, eh die singt ja schon wieder«, blickt Steffi auf ihre chorlose Zeit zurück. Jetzt hat ihre Stimme endlich einen Adressaten gefunden.

Auf Dauer will der noch junge Chor wenigstens einmal im Jahr ein Konzert geben, um zu zeigen, was er drauf hat. »Mitsängerinnen sind herzlich willkommen«, betonen die Chornissen.

»Beim Singen«, erzählt Sigrid, »kommt es auf die richtige Körperspannung und Atmung an. Wir kommen ja oft total verspannt hierher, aber wenn es dann losgeht, lässt man das alles hinter sich.« Dafür sorgt schon Chorleiter Sven Scheuren. »Aus dem Alltagsstress herauskommen, sich öffnen, nicht leise sein, aus sich herauskommen, laut werden, darum geht es am Anfang einer Probe«, sagt er. »So so so so so so sooooh! So ho ho ho ho ho hooooh!« Schiefe Töne? Die sind hier nicht schlimm. »Chorsingen macht man schließlich nicht alleine, sondern gemeinsam, das Team gibt Selbstsicherheit«, schwärmt Bettina. Jeder wird Teil von etwas Besonderem, ist wichtig, gehört dazu und wenn alles stimmt, wenn die verschiedenen Stimmen zusammenfinden und der volle Sound ertönt, dann ist am Ende: Klang. Und enorme Freude. Dann wird die Stephanuskapelle in der Wahner Heide, der Proberaum der Chornissen, zum positiven Energiefeld. Das ist wohl der Grund, warum die Frauen jeden Donnerstagabend nicht etwa ermattet vom Tagwerk auf die Kissen sinken, sondern sich beim Singen gute Laune holen. »Ich bin glücklich, wenn ich singe, dann gehe ich beschwingt nach Hause, voller Energie, während mein Mann müde auf der Couch hängt«, weiß Isabell. »Der Swing bleibt, stimmen die anderen Chornissen unisono ein. Schöne Musik, nettes Miteinander, gemeinsames Erleben. Am Ende eines Donnerstagabends nimmt jede den Schwung mit in die Nacht, beseelt vom Singen im Chor. (Sigrun Stroncik)