Zahnärztliche Schlafmedizin
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Dr. Peter Schicker

Zahnärztliche Schlafmedizin

Sie sind Mitglied der Deutschen Ge­sellschaft für zahnärztliche Schlafmedizin und haben auch eine zertifizierte Weiterbildung in diesem Fachbereich gemacht. Was hat Sie dazu bewogen?
Dr. Schicker: Erholsamer Schlaf ist essenziell für ein gesundes langes Leben und sehr von der richtigen Atmung abhängig. Wenn Erwachsene oder Kinder zu uns kommen, die über ständiges Schnarchen klagen, dauernd mit offenem Mund schlafen, mit den Zähnen knirschen oder unter Tagesmüdigkeit leiden, werde ich hellhörig. Diese Symptome müssen nicht, können aber Hinweise auf eine gesundheitsgefährdende Schlafatmungsstörung sein wie beispielsweise die Schlafapnoe, eine Art kurzzeitiger Atemstillstand während des Schlafes. Schlafmedizin und Mundgesundheit gehören ganz einfach zusammen. Es braucht also Zahnmediziner, die behandlungsbedürftige von harmlosen Schlafatmungsstörungen unterscheiden und interdisziplinär therapieren können.

Welche Risiken gibt es denn für Men­schen mit schweren Schlafapnoen?
Atemaussetzer im Schlaf können zu Bluthochdruck, Schlaganfällen, Herzinsuffizienzen, Herzrhythmusstörungen und sogar zu Herzinfarkten führen. Aber auch harmlosere Störungen wie beispielsweise das Schlafen mit offenem Mund sind nicht gerade gesundheitsfördernd. Wer dauerhaft durch den Mund atmet, bekommt Mundtrockenheit, ist zudem anfälliger für Entzündungen und neigt eher zum Schnarchen, was wiederum das Risiko von Schlafapnoen erhöht.

Wie kann der Kieferorthopäde helfen?
Manche Ursache für eine Atemstörung zeigt sich bereits beim Blick in den Gaumen. Bei Kindern sind vergrößerte Rachenmandeln zu beachten, aber auch ein ungünstig zurückstehender Kiefer, der den Luftkanal einengt, oder ein zu schmaler Kiefer, der zu wenig Platz für die Zunge lässt. Hier können kieferorthopädische Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen dem chronischen Schnar­chen und Schlafapnoen vorbeugen. Bei Erwachsenen, die nur ruhestörendes Schnarchen und leichte Apnoen haben, können individuell angefertigte Zahnschienen das Mittel der Wahl sein. Dabei wird durch die Schiene der Unterkiefer nach vorne geschoben und der Rachenraum geöffnet. Es kommt zu einer besseren Sauerstoffversorgung. Zunge und Gaumensegel bleiben vorne und die Rachenmuskulatur gewinnt an Stabilität.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachärzten?
Schlafmedizin ist ein interdisziplinäres Fach. Bei der wichtigen Frage, ob für einen Patienten eine Schiene sinnvoll ist oder ganz andere Therapien notwendig sind, muss ich mit Schlaflaboren, Internisten und HNO-Ärzten kooperieren, um gemeinsam einen Untersuchungs- und Behandlungsplan auszuarbeiten.

Das Interview führte Sigrun Stroncik

Unter kfo-wissen.de bietet Dr. Peter Schicker für Kollegen die etwas andere Fort- und Weiterbildung in der Kieferorthopädie an. Eines der aktuellen Themen ist dabei die zahnärztliche Schlafmedizin.