Funktionsanalyse und Kieferorthopädie
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Dr. Peter Schicker

Funktionsanalyse und Kieferorthopädie

Sie haben jetzt ein dreijähriges Zusatz­­studium mit dem Master of Science – Zahnmedizinische Funktionsanalyse und -therapie – abgeschlossen. Warum?
Dr. Schicker: In unserer Praxis sind wir zunehmend mit Patienten und Patientinnen konfrontiert, die mit den Zähnen knirschen oder pressen, die unter Schmerzen in der Kaumuskulatur leiden, unter Sehstör­ungen, Tinnitus, Kopfschmerzen, Schwindel oder Muskelverspannungen in Hals oder Nacken. Die Symptome können auf Craniomandibuläre Dysfunktionen hinweisen, kurz CMD, der Oberbegriff für Störungen im Kau-Kiefer-Hals-Bereich. Ein falscher Biss, ein fehlender Zahn kann ausreichen, um solche Störungen, die sich oft erst nach Jahren bemerkbar machen, in Gang zu setzen. Um das zu erkennen und richtig zu therapieren, sind Fach­wissen und die Fähigkeit zur interdisziplinären Zusammenar­beit nötig, deshalb das Zusatzstudium.

Was kann bei einer Funktionsanalyse festgestellt werden?
Ich kann erkennen, ob die Stellung der Kiefergelenke und das Zusammenspiel der Kaumuskulatur beeinträchtigt sind, ob die Verzahnung der Kiefer stimmt oder nicht, ob der Oberkiefer mit den Zähnen korrekt zum Unterkiefer passt. Ich taste auch die Kau- und Kopfmuskeln ab, schaue mir die Bewegungen der Kiefergelenke und des Unterkiefers an. So kann ich klären, ob Fehlfunktionen des Kauapparates überhaupt vorliegen. Je nach Befund kann dann eine individuell angefertigte Schiene Abhilfe schaffen oder aber interdisziplinäre Maßnahmen sinnvoll sein.

Auch auf dem Gebiet der Schlafmedizin sollte sich der Kieferorthopäde Ihrer Ansicht nach auskennen. Was kann der Kieferorthopäde leisten?
Wir alle wissen mittlerweile, wie wichtig erholsamer Schlaf für ein gesundes langes Leben ist. Wenn Erwachsene, aber auch Kinder schnarchen, mit offenem Mund schlafen, unter Tagesmüdigkeit leiden, können das Hinweise auf eine gesundheitsgefährdende Schlafatmungsstörung sein wie beispielsweise die Schlafapnoe. Von gesundem Schlaf kann dann keine Rede mehr sein. Als Kieferorthopäde sehe ich meine Patienten in der Regel häufiger als andere nicht zahnmedizinische Fachrichtungen und habe schon routine­mäßig Einblick in einen der Ursprungsorte für solche Atmungsstörungen: den Rachen. Also denke ich, Schlafmedizin und Mundgesundheit gehören unbedingt zusammen. Meine Aufgabe sehe ich darin, riskante Schlafapnoen zu erkennen und abhängig von der Ursache interdisziplinär zu therapieren. Die Trias Kieferorthopädie, zahnmedizinische Funktionsanalyse und Schlafmedizin erweitert meine Diagnose- und Therapiemöglichkeiten zugunsten des Patienten.

Das Interview führte Sigrun Stroncik